Veranstaltung 8. März: Ein Leben ohne Gewalt für Frauen und Mädchen

Am 8. März konnten wir Politikerinnen, Bloggerinnen, PolizistInnen und VertreterInnen von Opferschutzeinrichtungen bei unserer Veranstaltung im Haus der Europäischen Union begrüßen!

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EPIO Vienna

Anlässlich des Internationalen Frauentags lud die Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie (IST) in Kooperation mit dem Haus der Europäischen Union unter dem Titel "Ein Leben ohne Gewalt für Frauen und Mädchen" zu einer Veranstaltung. Unter den fast 150 Besucher_innen, fanden sich zahlreiche prominente Personen – so etwa die ehemalige Europaparlamentsabgeordnete Ulrike Lunacek, ÖVP-Nationalratsabgeordnete Dorothea Schittenhelm, etliche Opferschutzexpert_innen, sowie mehrere Vertreter der Polizei Wien. Moderiert wurde die Veranstaltung von der ORF-Journalistin Rebekka Salzer.

Dringender politischer Handlungsbedarf

„Jede dritte Frau in der EU erfährt mindestens ein Mal in ihrem Leben sexuelle und/oder physische Gewalt. Die EU kann dieses Ausmaß an Gewalt an Frauen nicht länger ignorieren. Die Verhandlungen zur Istanbul Konvention müssen jetzt rasch in Gang kommen, damit ihre rechtlichen Instrumente greifen.“ Mit diesem Appell an politische Entscheidungsträger_innen eröffnete Rosa Logar, Geschäftsführerin der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie und Vertreterin des GREVIO-Expertinnenkomitees des Europarats, die Veranstaltung. In ihrer Begrüßungsrede richtete sie sich auch an die österreichische Politik und erinnerte: “Nur gemeinsam können wir Gewalt gegen Frauen und Mädchen beenden!“

Auch die EU-Parlamentarierin Angelika Mlinar betonte in ihren Eingansgworten die Notwendigkeit eines umfassenden politischen Bekenntnisses zu Gewaltschutz und Gleichstellungspolitik. “Wir sollten im Jahr 2018 nicht mehr die Rechte von Frauen und Mädchen einfordern müssen - Geschlechtergerechtigkeit sollte eine Selbstverständlichkeit sein,“ forderte Mlinar und betonte: “Unser Kampf geht weiter, bis er kein Kampf mehr ist!“

Juliane Bogner-Strauß, Ministerin für Frauen, Familien und Jugend betonte, dass ihr die tatsächliche Umsetzung der Istanbul Konvention ein zentrales Anliegen sei. Sie gab an, sich insbesondere während der EU-Ratspräsidentschaft für die Umsetzung der GREVIO-Empfehlungen einsetzen zu wollen. “Gewalt ist die extremste Ausdrucksform von Machtverhältnissen zwischen Frauen und Männern,“ hielt die Ministerin fest.

Bekenntnis auf europäischer Ebene

In einer Video-Grußbotschaft bekannte sich Věra Jourová, EU-Kommissarin für Justiz, Verbraucherschutz und Gleichstellung, zu einer feministischen EU-Politik. „Geschlechtergerechtigkeit muss Realität werden und darf nicht länger ein bloßes Versprechen sein“, sagte die EU-Poltikerin. Sie werde sich in ihrer Arbeit weiterhin für Gleichstellungsstrategien auf internationaler Ebene einsetzen.

Auf dem Weg zu einem Europa frei von Gewalt an Frauen und Mädchen

Das erste Panel eröffnete Ursula Till-Tenschert von der Europäischen Grundrechtsagentur (FRA) mit der Präsentation einer EU-weiten Studie zu genderbasierter Gewalt. Die FRAU-Studie aus dem Jahr 2014 ist bis dato die umfassendste internationale Erhebung zum Thema Gewalt an Frauen und Mädchen. Die Zahl der Betroffenen im internationalen Kontext ist erschreckend hoch: Jede dritte Frau in der EU hat seit ihrem 15. Lebensjahr Gewalt erfahren. In 97 Prozent der Fälle waren die Täter männlich. Nach wie vor sprechen viele Frauen nicht über ihre Gewalterfahrungen. Gründe dafür sind vor allem Scham und Angst vor negativen Reaktionen aus ihrem sozialen Umfeld.

Die IST-Geschäftsfürerin Rosa Logar bedankte sich in diesem Kontext bei all jenen Frauen und Mädchen, die den Mut aufbringen, sich mit ihren Gewalterfahrungen an Gewaltschutzzentren und Interventionsstellen zu wenden. Sie fordert ein breites gesellschaftliches Umdenken und ein Ende der Täter-Opfer-Umkehr (Victim Blaming), die so häufig das Sprechen über Gewalt gegen Frauen prägt.

#metoo: Wie die Hashtag-Kampagne die öffentliche Debatte beeinflusst hat

Im zweiten Panel diskutierte die Journalistin Beate Hausbichler (Der Standard) gemeinsam mit den Bloggerinnen Madeleine Alizadeh (dariadaria.com) und Desislava Manolova (europeneedsyou.eu) über #metoo und wie die Hashtag-Kampagne den öffentlichen Diskurs zum Thema Gewalt an Frauen beeinflusst hat.

Einig waren sich die drei Publizistinnen darüber, dass auf #metoo eine breitere Debatte über Sexismus und Gewalt an Frauen folgen müsse. Beate Hausbichler forderte eine große Debatte über Sexualität und Geschlechterrollen. Auch Madeleine Alizadeh wünscht sich, dass #metoo Anlass für ein gesamtgesellschaftliches Umdenken über Geschlechterstereotype sein könnte. Sie hofft außerdem, dass die Kampagne sichtbar macht, wie alltäglich die Erfahrung (sexueller) Belästigung für Frauen nach wie vor ist. Desislava Manolova verlangte in weiterer Folge eine differenziertere Debatte, die mit weniger Verallgemeinerungen auskommt und die individuellen Erfahrungen von Frauen mehr in den Fokus rückt.

Schließlich wies die Politikerin Ulrike Lunacek in einem kurzen Statement auf die Wichtigkeit hin, die Debatte in einen größeren Kontext geschlechtsbasierter Machtverhältnisse zu setzen. Jede Form von Gewalt gegen Frauen müsse gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse berücksichtigen.

Schutz von Frauen und Mädchen vor Gewalt in Österreich

Das letzte Veranstaltungspanel widmete sich der Umsetzung der Istanbul-Konvention in Österreich und der Empfehlungen des GREVIO-Komitees.

Kerstin Schinnerl, Vertreterin der Allianz Gewaltfrei leben, präsentierte hier einige der zentralen Ergebnisse aus dem österreichischen Evaluierungsbericht des GREVIO-Komitees. „Die Ergebnisse sind ein Handlungsauftrag an die Regierung“, erinnerte Schinnerl.

In einer abschließenden Podiumsdiskussion tauschten sich Gabriele Heinisch-Hosek, Obfrau des parlamentarischen Gleichbehandlungsausschusses, die Sozioökonomin Elisabeth Klatzer und Gertrude Brinek von der Volksanwaltschaft über die aktuelle Situation in Österreich und mögliche Handlungsstrategien zur besseren Umsetzung von Gewaltschutzmaßnahmen aus.

Die Interventionsstelle bedankt sich bei allen Teilnehmer_innen für ihr Interesse an der Veranstaltung und die zahlreichen spannenden Inputs und Diskussionen, die durch ihre Beteiligung zustande kamen.