Presseaussendung anlässlich des 110. internationalen Frauentages - Gewalt an Frauen und Frauenmorde dürfen kein "Geschlechtsrisiko" sein

Am 08. März, zum Weltfrauentag, schlagen wir Alarm und fordern mehr Investitionen in den Gewalt- und Opferschutz.

Am 8. März schlagen wir Alarm: Gewalt an Frauen und Frauenmorde dürfen kein „Geschlechtsrisiko“ sein!

Wien (OTS) - Laut Studien der EU-Grundrechtsagentur (FRA) ist jede 5. Frau in Europa von Gewalt an Frauen betroffen. Jüngste Zahlen ergeben, dass das Ausmaß von Gewalt an Frauen und Mädchen in Österreich besonders hoch ist. In den letzten Jahren ist die Zahl der Morde an Frauen enorm angestiegen. Heuer wurden bereits vier Frauen getötet – am Freitag wurde eine Frau von ihrem Ex-Partner durch einen feigen Brandanschlag beinahe ermordet. Sie schwebt in Lebensgefahr und wir hoffen, dass sie durchkommt.

Schutz der Opfer muss dringend verstärkt werden

Der jüngste Mordfall in Wien zeigt, dass Österreich, trotz guter Gesetze, gefährliche Lücken im Sicherheitssystem für Frauen aufweist. Die Polizei hatte in diesem Fall kein Betretungs- und Annäherungsverbot verhängt, weil sie den Täter nicht antrafen. In einer solchen Situation müssen Frauen sofortigen Personenschutz erhalten, und zwar bis der Täter gefunden wird. Auch weitere Sicherheitslücken müssen dringend geschlossen werden, insbesondere, wenn Frauen wiederholt Gewalt erleiden und in Hochrisikosituationen sind, braucht es verstärkte Maßnahmen. Wir fordern eine ständige Kommission zur Verhinderung von Femiziden, unter Einbeziehung der Frauen- und Opferschutzeinrichtungen.

Mittel für Hilfen für die Betroffenen reichen nicht aus

Die Wiener Interventionsstelle betreut jährlich etwa 6000 Opfer, die von Gewalt an Frauen, häuslicher Gewalt und Stalking betroffen sind. Im Jahr 2020 waren es exakt 6.199 Personen. Die Mittel für die Hilfe reichen aber nicht aus: Pro Opfer und Jahr stehen nur durchschnittlich fünf Stunden zur Verfügung. Das lässt meist nur eine sehr kurzfristige Unterstützung der Opfer zu. Im Gegensatz dazu wurde jüngst beschlossen, für Täterarbeit sechs Stunden an Beratung bereitzustellen. Das ist eine grobe Ungerechtigkeit. Für Opfer muss zumindest das Doppelte, also zwölf Stunden, bereitgestellt werden.

210 Millionen für den Gewaltschutz und die Gleichstellung von Frauen

Auch wenn der Frauenministerin der Gewaltschutz ein besonderes Anliegen ist – mit 14,65 Millionen Euro Budget können keine Fortschritte gemacht werden – bzw. nur sehr langsame. Frauen brauchen aber sofortige und auch längerfristige Hilfe und Schutz. Österreich hat sich verpflichtet, die Istanbul-Konvention des Europarates zur Prävention von Gewalt an Frauen und häuslicher Gewalt umzusetzen. Das erfordert eine wesentliche Aufstockung der Mittel. Wir ersuchen die Frauenministerin und den Finanzminister dringend, das Budget für den Gewaltschutz und die Gleichstellung von Frauen 2022 auf 210 Millionen Euro aufzustocken. Das ist auch angesichts der COVID-Krise, die die Benachteiligung und Gewalt an Frauen noch verstärkt hat, dringend notwendig.

Es ist das Recht jeder Frau, frei von Gewalt zu leben!

Investitionen in den Gewaltschutz für Frauen zahlen sich aus!

Das Referat zur Bewertung des europäischen Mehrwerts schätzt die Gesamtkosten, die innerhalb der EU 2011 durch geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen entstehen, auf 228 Milliarden Euro. Das entspricht circa 450 Euro pro EU-Bürger_in jährlich. Wenn zumindest 10 % dieser Kosten in Präventionsarbeit fließen sollten, damit langfristig Kosten reduziert werden können, müsste das Budget für Gewaltschutz und –prävention mindestens 210 Millionen Euro betragen.