01. August 2019: Gewalt ernst nehmen und gemeinsam handeln, um sie zu stoppen!

Mit großer Bestürzung und Trauer verfolgen wir die Ermittlungen anlässlich des schrecklichen Mordes an dem 8-jährigen Jungen am Frankfurter Hauptbahnhof. Unser ganzes Mitgefühl gilt den Familien der Betroffenen. Die Wiener Interventionsstelle wendet sich mit einem Appell an die österreichische Bundesregierung.

Gestern wurde bekannt, dass der in der Schweiz lebende Täter erst vorige Woche seine Familie und eine Nachbarin eingesperrt und mit einem Messer bedroht hatte, bevor er flüchtete. Die Öffentlichkeit war jedoch nicht gewarnt worden, denn häusliche Gewalt ereigne sich laut Pressekonferenz der Züricher Polizei täglich Dutzende Male und man habe keine Gefahr für die Öffentlichkeit gesehen. Als langjährige Gewaltschutzexpertin bin ich bestürzt über diese Ereignisse – Gewalt in der Familie wird immer noch unterschätzt oder sogar verharmlost, auch in Österreich. Es wird auch oft übersehen, dass – wie eine britische Studie zeigt – ca. die Hälfte der Täter, die in der Familie Gewalt ausüben, ein allgemeines Aggressionspotential haben und auch für andere Personen im Umfeld oder in der Öffentlichkeit zur Gefahr werden können. Gewaltverhalten verschwindet nicht einfach, Gewalt schlägt zu und wir wissen nie genau, wann und wo. Als Opferschutzeinrichtung rufen wir die österreichische Regierung dringend auf, in allen Bundesländern multi-institutionelle Kommissionen zur Prävention von Gewalt einzurichten, die sich rasch und umfassend damit beschäftigen, Gewalttäter zu stoppen und zwar nicht erst dann, wenn die Gewalt eskaliert ist, sondern bereits im Vorfeld bei ersten Anzeichen von Gefahr. Häusliche Gewalt darf nicht verharmlost werden, sie kann zu Morden und Mordversuchen eskalieren und auch Außenstehende mit betreffen! Opferschutzeinrichtungen wie die Wiener Interventionsstelle verfügen über wichtiges Fachwissen in Einzelfällen und geben Hinweise an die Behörden, werden aber oft nicht gehört oder ernst genommen. Setzen wird uns verstärkt und gemeinsam dafür ein, jede Form der Gewalt zu verhindern, im privaten wie im öffentlichen Bereich!

Rosa Logar, Geschäftsführerin der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie