Arbeitsgruppe Gender-Stat

Um die Datenlage in Österreich zu verbessern, hat die Wiener Interventionsstelle 2011 eine ExpertInnen-Arbeitsgruppe zum Thema geschlechtsspezifische Daten zu Gewalt gegen Frauen initiiert.

Jede vierte bis fünfte Frau ist zumindest einmal in ihrem Leben Opfer von Gewalt durch einen Partner oder Ex-Partner Partner (Schröttle/ Müller 2004). Kinder sind von der Gewalt direkt und indirekt immer mit betroffen. Jedes Jahr sterben in Österreich ca. 30 Frauen durch die Hand ihres (Ex-)Partners.

Diese Zahlen beruhen auf Schätzungen aufgrund von Medienberichten, Studien aus anderen Ländern und Erfahrungen von Opferschutzeinrichtungen. Gesicherte Daten zu Gewalt gegen Frauen und familiärer Gewalt fehlen nach wie vor. Derzeit ist es in Österreich zum Beispiel nicht möglich, aus der polizeilichen Kriminalstatistik abzuleiten, wie häufig Kinder von einem Elternteil misshandelt oder wie oft Frauen von ihren (Ehe)Partnern oder Ex-Partnern geschlagen oder ermordet werden. 

Die Erhebung und Auswertung von Daten ist jedoch ein wesentlicher Bestandteil der Prävention und unentbehrlich für eine umfassende Gesamtstrategie zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. Dies wird auch in verschiedenen internationalen Empfehlungen und Konventionen betont und eingefordert (z.B. CEDAW 2007; Council of Europe 2002; 2011, Council of the EU 2008; 2010).

Gesicherte Daten und Zahlen zu Gewalt an Frauen und familiärer Gewalt sind notwendig, um:
• Interventions- und Präventionsmaßnahmen zu steuern und zu verbessern;
• die Wirkkraft von Maßnahmen zu gewährleisten;
• die Implementierung von Gesetzen und Strategien zu überwachen und zu evaluieren;
• Aufschluss über die Zu- bzw. Abnahme von Gewalt, Formen von Gewalt oder spezifische Zielgruppen zu erhalten und dadurch gezieltere Maßnahmen zu setzen;
• das öffentliche Bewusstsein zu stärken;
• internationale Anforderungen zu erfüllen.

Um die Datenlage in Österreich zu verbessern, hat die Wiener Interventionsstelle eine ExpertInnen-Arbeitsgruppe zum Thema geschlechtsspezifische Daten zu Gewalt gegen Frauen initiiert („Arbeitsgruppe Gender-Stat“). Damit wird an das EU-Daphne-Projekt PROTECT angeschlossen und ein Beitrag zu internationalen Anforderungen zur Datenerfassung, die z.B. in der neuen Konvention des Europarates gegen Gewalt an Frauen und häusliche Gewalt formuliert wird geleistet. Die Einladung zur Arbeitsgruppe Gender-Stat stieß auf reges Interesse bei verschiedensten Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen sowie Forschungseinrichtungen.

Als Mindeststandards an die Datenerfassung zu Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt wurden, basierend auf der neuen Europaratskonvention, folgende Anforderungen identifiziert:

• Geschlecht des Opfers
• Geschlecht des Täters; zentral ist dabei auch, dass die Verknüpfung des Geschlechts von Opfer und Täter möglich ist
• Alter des Opfers; der Zusammenhang von Alter bzw. Altersunterschied ist zur Bewertung verschiedener Aspekte von familiärer Gewalt sehr wichtig
• Alter des Täters
• Beziehungsverhältnis zwischen Opfer und Täter: das Verhältnis zwischen Opfer und Täter muss möglichst präzise erfasst werden und die Kategorisierung von Beziehungsverhältnissen sollte möglichst klar sein
• Art/ Form der Gewalt: verschiedene Behörden verfolgen unterschiedliche Aufgaben und Ziele und müssen daher die Definitionen von Arten der Gewalt an ihren Bereich anpassen (z.B. Polizei und Staatsanwaltschaft Orientierung an rechtliche Definitionen, Gesundheitsbereich an internationale Klassifikation von Krankheiten usw.)
• Tatort (geographische Lage)
• Verknüpfbarkeit dieser Kategorien

Die Arbeitsgruppe erarbeitete daher Empfehlungen zur Erfassung von Administrativdaten zu Gewalt gegen Frauen.

Die Arbeitsgruppe Gender-Stat ist für interessierte ExpertInnen im Bereich der Prävention von Gewalt an Frauen und häuslicher Gewalt offen (Kontakt: office@interventionsstelle-wien.at).